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Quellen

Die Deutsche Bank war auch im Februar in aller Munde. Der Kursrutsch der Deutschen Bank Aktie bestimmte fast ausschließlich die erste Monatshälfte und die damit verbundenen Börsen-Schrecken werden den Deutsch-Bankern sicher noch eine Weile in ihren Gliedern und verschwitzten Hemden stecken.

Schon Ende Januar wurden die Unsicherheiten von Investoren gegenüber der Deutschen Bank auch öffentlich thematisiert. In den ersten Februar-Tagen nahmen diese Meldungen an Fahrt auf.
„Die Welt“ begann den Reigen, in dem sie fast sorgenvoll titelte: Wie viele Strafen verkraftet die Deutsche Bank noch? Zu diesem Zeitpunkt hatten sich längst Hedgefonds auf die Deutsche Bank eingeschossen und zockten gegen die Deutsche Bank. Wem das gerade Mitleid abverlangt, der sei daran erinnert, dass die Invetsmentbanking-Abteilung der Deutschen Bank sich nicht anders verhält, und wer weiß ob sie nicht Anfang Februar vielleicht sogar gegen sich selbst gewettet hat.

Schon zwei Tage später sah sich die Deutsche Bank im freien Fall und riss kurze Zeit später locker Kurse aus der Finanzkrise. Das zudem auch noch in den USA eine neue Klage gegen die Deutsche Bank zugelassen wurde ging in den Nachrichten dabei fast unter, ebenso wie die völlig richtige Frage nach der Verantwortung von Aufsichtsratschef Achleitner, der mit seinen personellen Weichenstellungen den Stillstand und die Verschleppung der Aufklärung von Fehlverhalten bei der Deutschen Bank ausgelöst hat.

In der zweiten Februarwoche gab es an der Börse für die Deutsche Bank kein Halten mehr. Anleger bezweifelten zunehmend die Kreditwürdigkeit der Bank und Kreditausfallversicherungen verteuerten sich im Handumdrehen. John Cryan, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, wandte sich persönlich an die Mitarbeiter und Kunden und beschwor die Bank als „grundsolide“. Das er sich dazu genötigt sah, nährte die Zweifel der Anleger weiter und auch das Statement des Finanzministers, der sich keine Sorgen um die Deutsche Bank macht, ging voll nach hinten los. Der Kursverlust weitete sich aus. Mittlerweile kostete die Aktie um die 13 Euro. Die Deutsche Bank war weniger als 20 Mrd. Euro wert und schon kamen Spekulationen einer Übernahme auf. Doch niemand, da waren sich alle sicher, will diesen Sauladen haben. Und so bleibt die Deutsche Bank das Problem der Deutschen.

Schließlich sah sich die Deutsche Bank genötigt mit einem Rückkaufprogramm für Anleihen die Märkte zu beruhigen. Mit Geld Vertrauen zu kaufen, funktioniert nur an der Börse.

Am 15.02. begann in Frankfurt ein weiterer Prozess gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank. Sieben Deutsch Banker haben sich entsprechend der Anklageschrift der „bandenmäßigen schweren Steuerhinterziehung“ schuldig gemacht. 26 Verhandlungstage sind zunächst angeordnet worden.

Derweil gab es einige personelle Veränderungen bei der Deutschen Bank. Der für den „Kulturwandel“ verantwortliche Sonderbeauftragte, Thomas Poppensieker, verlässt (vermutlich frustiert) die Bank nach nur gut 2 Jahren.
Der von der WeltN24 abgeworbene Ex-Investigativ Journalist und zukünftige Chef-Kommunikator Jörg Eigendorf (wir berichteten bereits im Monatsrückblick Januar darüber) bastelt schon mal an seinem neuen Team. Bei den gut 500 Mitarbeitern der Pressabteilung der Deutschen Bank scheint er keine Potenziale zu sehen und so holt er sich noch Ralf Drescher, den ehemaligen Chefredakteur von „German Newswires und WSJ.de“. Und damit Eigendorfs offensichtlichen Defizite gar nicht erst erkennbar werden, kommt auch noch Monika Schaller von Goldman Sachs, eine ausgewiesene Kommunikationsexpertin.

Eine ganz andere Personalie erkennt N-TV. Martin Blessing, scheidender CEO der Commerzbank könnte der zukünftige Vorstandschef der Deutschen Bank werden, spekuliert der Nachrichtenkanal. Fragt sich nur, ob die Deutsche Bank einen Bankier von Format überhaupt verdient hat. Allein mit Blick auf den Aufsichtsratschef Achleitner kommen da berechtigte Zweifel, denn auch gegen Achleitner soll zumindest intern bzgl. seiner Verantwortung in Sachen Verschleppung der Libor-Auflklärung ermittelt werden.(Der hierzu passende Beitrag im Manager Magazin ist leider nicht mehr online. Das Manager Magazin bestätigte jedoch auf Nachfrage die internen Ermittlungen gegen Achleitner.)

Und was machen die Ex-Deutsch-Banker so?
Einige Vorstände mussten im vergangen Jahr ihren Hut nehmen, einer von Ihnen tat dies auf eigenen Wunsch hin. Reiner Neske, ehemaliger Chef der Privatkundensparte der Deutschen Bank wird ab Sommer Chef der Landesbank Baden Württemberg.
Über den Ex-Co-CEO Anshu Jain war bislang nur bekannt, dass ihn sein Kumpel Nikesh Arora, President des japanischen Telekommunikations- und Medienkonzerns Softbank, auffangen will. Jetzt scheint klar, dass Jain schon bald in den Verwaltungsrat des amerikanischen FinTech-Unternehmens Social Finance Inc., kurz SoFi, wechselt. Softbank ist bei SoFi mit 1 Mrd. US Dollar investiert.

Auch wenn sich mit dem Anleihenrückkaufprogramm der Deutschen Bank deren Aktienkurs zum Ende des Monats auf einem erbärmlichen Niveau stabilisiert und erholt hat, bleiben die Zweifel an der „Solidität“ der Deutschen Bank omnipresent.
„Die Zeit“ fand mal wieder das richtige sprachliche Bild, als sie am 19.02. mit Blick auf die Situation bei der Deutschen Bank titelte „Auch die Titanik galt als unsinkbar„.

Vermutlich folgen auch einige Finanz-Analysten diesem Gedanken und trauen der Deutschen Bank zunächst nicht viel zu. Bei der Societe-Generale und der australischen Investmentbank Macquarie senken die Finanzprofis den Daumen über dieser Bank und sehen ein Kursziel von 12,50 Euro!
Hintergrund sind auch immer wieder die vielen ungelösten Rechtsrisiken, so kann noch niemand abschätzen was der Betrug in Russland für finanzielle Folgen hat oder die Tricksereien mit CumEx-Geschäften.

Bei der Gemeinde Lützen hat allein die Anwesenheit der Deutschen Bank fast zum Ruin der Verwaltungseinheit geführt. Die Deutsche Bank nutzte den in Lützen günstigen Gewerbesteuersatz für eine ihrer Tochterunternehmen. Doch auch gegen diesen Steuerbescheid legte die Deutsche Bank Rechtsmittel ein. Das sich daraus ergebende Risiko gefährdet den Finanzhaushalt der Gemeinde. Am 25.02. deutete sich ein Kompromiss an.

Bei wem diese Meldung noch ungläubiges Kopfschütteln ausgelöst hat, der wird sich sicher bei der nun kommenden Nachricht mit der flachen Hand an die eigene Stirn klatschen.
Die BaFin, die nationale Finanzaufsicht und der verlängerte Arm der EZB-Aufsicht hat alle Ermittlungen gegen die Deutsche Bank in Sachen Libor, Monte dei Paschi sowie in Sachen Edelmetallhandel eingestellt. In einer vor Selbstgefälligkeit strotzenden Pressemeldung feiert sich die Deutsche Bank selbst.
Die BaFin, man stelle sich dabei Frau Menke – die für die Deutsche Bank verantwortliche Chefaufseherin – hochrot und peinlichst berührt vor, äußert sich dazu besser nicht.
Für uns ein weiterer Beleg dafür, dass die „Systemrelevanz der Deutschen Bank“ (die Dimensionen hat der Blog zerohedge wieder einmal bestens zusammengefasst) für die Aufsichtsorgane schon bei der Aufklärung beginnt.

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